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Den pflegenden Partner in den Fokus nehmen

Studie zur Gesundheit pflegender Angehöriger

Kategorie: Pflege zu Hause | Aktualisiert am 01.04.2021 | Lesezeit 3 Min.

Seit mehreren Jahren pflegt die 73-jährige Anneliese Zimmermann ihren wenige Monate älteren Mann Günther. Als er sich an einem Wochenende im April 2017 plötzlich sehr schlecht fühlt, fahren beide sicherheitshalber in das nächste Krankenhaus und warten in der Notaufnahme auf den behandelnden Arzt. Der ist überrascht, als er die Senioren begrüßt: Trotz langjähriger Berufserfahrung ist es für den Notfallmediziner nicht gleich ersichtlich, wer sein Patient ist – denn beide Eheleute wirken auf ihn gleich erschöpft und hilfsbedürftig. Kein Einzelfall, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Dem pflegebedürftigen Angehörigen ein möglichst eigenständiges Leben zuhause ermöglichen

Die Mehrheit der Pflegebedürftigen in Deutschland wird zuhause versorgt: 2019 waren es laut Statistischem Bundesamt rund drei Millionen Menschen, ca. 80 Prozent der insgesamt knapp 4,1 Millionen Betroffenen. In weit mehr als der Hälfte der Fälle (2,3 Millionen) übernehmen in der Regel ausschließlich Angehörige die Pflege. Sie ermöglichen ihrem Partner, ihrer Mutter, ihrem Vater oder ihrem Kind auf diese Weise ein möglichst eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden. Dazu übernehmen sie tagtäglich vielfältige Aufgaben, von Unterstützung im Haushalt über Hilfe beim Aufstehen, Fortbewegen und Essen bis hin zur Körperpflege.

"Pflegt ein Partner einen anderen, haben möglicherweise beide gegenseitig Einfluss auf den Gesundheitszustand des jeweils anderen."
Claire Ankuda
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Auswertung anfallender Krankenhauskosten im Zusammenhang mit Wohlbefinden des pflegenden Partners

Keine Frage: Die Pflege eines geliebten Menschen stellt für Angehörige in jedem Einzelfall eine enorme Herausforderung dar – erst recht, wenn sie selbst bereits älter sind. Denn Pflegeaufgaben erfordern nicht nur viel Geduld, Hingabe und Zeit, sondern auch viel Kraft. Die Gesundheitsforscherin Claire Ankuda von der University of Michigan wollte wissen, ob sich ein Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden von pflegenden Angehörigen und dem Gesundheitszustand der Patienten, die von ihnen versorgt werden, nachweisen lässt. Dazu untersuchte sie mit ihrem Team im Rahmen einer Studie, die das „Journal of the American Geriatrics Society“ im August 2017 veröffentlicht hat, mehr als 3.000 Menschen über 65 Jahre, die ihre Partner zuhause pflegen. Sie werteten anfallende Krankenhauskosten und die Anzahl von Besuchen in einer Notaufnahme aus. Gleichzeitig wurden Daten zum Wohlbefinden des pflegenden Partners in die Analyse einbezogen. Das eindeutige Ergebnis: Es besteht tatsächlich ein Zusammenhang.

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Helfer, die selbst Hilfe benötigen: Angehörige in Not müssen besser identifiziert werden

Die Studienergebnisse zeigen: Die Versorgungskosten von Patienten steigen, wenn es ihren pflegenden Partnern selbst nicht gut geht, insbesondere wenn diese erschöpft sind: Ihre Behandlungskosten waren rund 2.000 US-Dollar höher als die von Patienten, die von einem fitten und zufriedenen Partner versorgt wurden. Außerdem ließen sich Pflegebedürftige mit angeschlagenem Partner im Zeitraum von sechs Monaten etwa 23 Prozent häufiger in einer Notaufnahme untersuchen. Interessant ist vor diesem Hintergrund vor allem ein Aspekt: Pflegt ein Partner einen anderen, haben möglicherweise beide gegenseitig Einfluss auf den Gesundheitszustand des jeweils anderen. Dass sich die anstrengende Pflegearbeit negativ auf die Gesundheit des pflegenden Angehörigen auswirken kann, ist schon länger bekannt. Möglich erscheint nun jedoch auch, dass ein angeschlagener oder erschöpfter Partner dazu beiträgt, den gesundheitlichen Zustand des Menschen in seiner Obhut zusätzlich zu verschlechtern. Umso wichtiger ist es nach Ansicht der Autoren der Studie, dass Angehörige in Not besser identifiziert werden und Unterstützung erhalten.

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Auszeit von der Pflege

Auch die privaten Pflegeversicherungen setzen sich in Deutschland dafür ein, pflegende Angehörige zu entlasten. Hierzu stellen sie ihnen finanzielle Mittel zur Verfügung, sowohl für kurze Auszeiten als auch für dauerhafte Hilfe bei der Pflege im Alltag. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, einen ambulanten Pflegedienst langfristig in die Betreuung einzubinden und so die fordernden Pflegeaufgaben aufzuteilen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden Ende 2019 insgesamt 682.600 Pflegebedürftige zuhause – teilweise oder vollständig – durch ambulante Pflegedienste versorgt. Kurzzeitpflegeeinrichtungen nehmen pflegebedürftige Menschen, die auf vollstationäre Pflege angewiesen sind, für mehrere Tage auf. Und auch auf Urlaub haben pflegende Angehörige Anspruch, alleine oder gemeinsam mit dem Menschen, den sie versorgen. Angebote wie diese können ihren Teil dazu beitragen, notwendige Entlastung zu erhalten – die für den Pflegenden wichtig ist, aber auch für den von ihm gepflegten Menschen.

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