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Plötzlich Pflegefall

Wir haben es schön, wir haben uns

Kategorie: Pflege zu Hause | Lesezeit 4 Min.

Jürgen H. steht mitten im Leben, als ein Schlaganfall ihn mit 46 plötzlich an den Rollstuhl fesselt. Für ihn und seine Frau Petra ist sofort klar: „Für uns kein Grund, aufzugeben“. Mit dem Pflege- und Verwaltungsaufwand, der danach auf sie zukommt, haben sie nicht gerechnet. Ein Besuch bei zweien, die sich vom Schicksal trotzdem nicht unterkriegen lassen.

„Seemann“, sagt Petra tadelnd und schiebt eine Packung Taschentücher über den Tisch, „das kannst du alleine.“ Der Kosename stammt aus einer anderen Zeit. Früher ist Jürgen als Maschinenschiffsbauer zur See gefahren. Er hat die ganze Welt gesehen und viele Abenteuer erlebt. Heute ist es für den 64-Jährigen eine Herausforderung, sich selbst die Nase zu putzen: Seit einem Schlaganfall im Jahr 2003 sitzt er im Rollstuhl. Seine linke Körperhälfte ist gelähmt, die rechte Gehirnhälfte zu einem Drittel zerstört und in seinem Behindertenausweis steht jene Drei, die schwerste Fälle kennzeichnet. Dabei sah es am Anfang gar nicht so schlimm aus: Als Jürgen nach einem Abend mit Freunden einfach umkippt, liegt er innerhalb von 20 Minuten in der Klinik. Petra, die während des Vorfalls gerade in der Küche Kuchen für das Dessert aufschneidet, kennt die Symptome von ihrem Vater. Auch deshalb fährt sie abends beruhigt nach Hause. Doch als am nächsten Morgen das Telefon klingelt, bleibt die Welt stehen: Koma, Hirnschaden, akute Lebensgefahr. Das Blutgerinnsel in Jürgens Adern ist so groß, dass die Behandlung versagt hat. „Falls er wieder aufwacht, wird er ein Leben lang schwerstbehindert sein“, sagen die Ärzte.

Zwischen Pflege und Papierkrieg

"Wie oft haben wir uns gewünscht, alle Informationen auf einen Blick zu finden – letztendlich habe ich alles mühsam selber zusammengesucht. Aber was tut man nicht alles für den geliebten Partner?"
Petra H.
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In diesem Moment endet ihr altes Leben – Petras Architekturbüro floriert, Jürgen ist als Dozent bei der Arbeitsvermittlung tätig – und sie stellen sich die Frage, wie es jetzt weitergeht. Ein neues Leben zwischen Pflege und Papierkrieg beginnt. Die vor kurzem erworbene Traumimmobilie mit großem Garten weicht einer behindertengerechten Wohnung. Ihren Job gibt Petra auf, die Pflege ihres Mannes ist ein Fulltime-Job. Hinzu kommt ein gewaltiger Papierkrieg, den seine Pflege mit sich bringt: Rezepte, Anträge, Nachweise, Genehmigungen, die Organisation des Pflegedienstes – ständig gibt es etwas zu tun. „Ich könnte problemlos eine Sekretärin beschäftigen“, sagt die quirlige Frau und streichelt Katze Mimi über den Kopf, die um die Räder des Rollstuhls schleicht. Damit ist sie nicht allein. Laut einer aktuellen Studie arbeitet nur ein Drittel der pflegenden Angehörigen weiter, meist in Teilzeit. “Wie oft haben wir uns gewünscht, alle Informationen auf einen Blick zu finden – letztendlich habe ich alles mühsam selber zusammengesucht. Aber was tut man nicht alles für den geliebten Partner?“ witzelt Petra und zwinkert Jürgen zu.

Bis zum letzten Cent: Mit der Pflege kommt der finanzielle Ruin

"Wir rechnen mit spitzem Bleistift, aber ich will mich nicht beschweren. Wir haben es schön, können leben – und wir haben uns. Wir sind immer noch ein Paar und nicht nur Pflegerin und Patient“."
Petra H.
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Der lockere Umgang mit der Situation ist nicht selbstverständlich. „Wir hatten eine Eigentumswohnung, Vermögen und Vorsorge“, sagt Petra, „doch heute leben wir von Sozialhilfe.“ Der Staat zwingt sie, jeden Cent Erspartes aufzubrauchen, sogar Jürgens Lebensversicherung und ihre private Rentenvorsorge muss sie mit hohen Verlusten auflösen. Erst als alles weg ist, bekommen sie finanzielle Unterstützung. Heute jonglieren sie mit Hartz IV, Pflegegeld, Rente, Versicherung und Unterstützung vom Landratsamt. Einfach ist das nicht. Seit einem Zusammenbruch vor zwei Jahren und anschließender Psychotherapie gönnt sich Petra zum Beispiel mehr Pflegedienst-Einsätze. Das kostet Geld, weshalb nun das Auto auf der Kippe steht. Doch nur der umgebaute Citroën sichert den beiden etwas Mobilität. Nächsten Monat muss das Auto in die Werkstatt, dann wird man weitersehen. „Wir rechnen mit spitzem Bleistift, aber ich will mich nicht beschweren. Wir haben es schön, können leben – und wir haben uns. Wir sind immer noch ein Paar und nicht nur Pflegerin und Patient“.

Der Fall von Jürgen zeigt: Ein plötzlicher Pflegefall kann jede(n) treffen. Aber auch bei „vorhersehbaren“ Pflegefällen gibt es einiges zu beachten. Sind Sie ausreichend auf so eine Situation vorbereitet? Auf unserer Ratgeberseite "Pflege in die Wege leiten" erfahren Sie mehr zu den wichtigsten Schritten:

1) Pflegegrad beantragen

Bevor Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie die Pflege Ihres Angehörigen organisieren, stellen Sie am besten so schnell wie möglich einen Antrag auf Pflegeleistungen bei dessen Pflegeversicherung. Denn: Leistungen können Sie frühestens ab dem Monat erhalten, in dem Sie den Antrag gestellt haben.

2) Begutachtung vorbereiten

Nachdem Sie Pflegeleistungen beantragt haben, vereinbart der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (gesetzlich), bzw. MEDICPROOF (privat) einen Termin zur Ermittlung des Pflegegrades.

3) Pflege organisieren

Viele Menschen möchten zuhause gepflegt werden. Entscheiden Sie gemeinsam mit Ihren Angehörigen und dem Betroffenen, ob und wie Sie das realisieren können. Überlegen Sie auch, ob Sie bei der Versorgung zuhause externe Unterstützung benötigen.

Vom Antrag auf Pflegebedürftigkeit über die Vorbereitung der Begutachtung bis hin zu Tipps für den Alltag bietet bieten unsere Ratgeberseiten Ihnen die die Möglichkeit, Ihre Pflege einfach und unkompliziert online zu organisieren.

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